Die Erwartung einer bevorstehenden Zinssenkung durch die US-Notenbank Federal Reserve wird voraussichtlich eine deutliche Aufwärtsbewegung im Segment der Small-Cap-Aktien auslösen. Nach einer längeren Phase geldpolitischer Stagnation erwarten Marktbeobachter allgemein, dass die Zentralbank am Ende ihrer September-Sitzung eine Senkung ihres Leitzinses (federal funds rate) um 25 Basispunkte vornehmen wird. Dieser potenzielle Wandel markiert einen kritischen Punkt und signalisiert eine Abkehr von einer fast einjährigen Pause, die die Wachstumsaussichten kleinerer Unternehmen unterdrückt hat. Historisch gesehen waren Phasen der geldpolitischen Lockerung nach längeren Perioden stabiler Zinssätze besonders vorteilhaft für Small-Cap-Aktien. Daten von Canaccord Genuity zeigen einen überzeugenden Trend: In den vier Fällen seit 1980, in denen die Federal Reserve nach einer signifikanten Pause die Zinsen gesenkt hat (mit Ausnahme von Juni 1989), hat der Russell 2000 Index, der Aktien kleinerer Kapitalisierung umfasst, den breiteren S&P 500 durchweg übertroffen. In den folgenden 12 Monaten erreichten die Renditen von Small Caps durchschnittlich etwa 35 %, was die durchschnittliche Rendite von 23 % für Large-Cap-Aktien im gleichen Zeitraum deutlich übertraf. Die einzigartigen Merkmale des aktuellen Wirtschaftskreislaufs unterstreichen, warum diese Zinssenkung voraussichtlich kleinere Unternehmen überproportional begünstigen wird. Kleine und mittlere Unternehmen tragen oft höhere Schulden und sind stärker auf Bankfinanzierungen angewiesen. Folglich führt eine Senkung der Kreditkosten direkt zu einer verbesserten finanziellen Flexibilität und einem besseren Cashflow für diese Unternehmen. Diese Hebelwirkung, gepaart mit oft knappen Liquiditätspositionen, verstärkt die positiven Auswirkungen einer lockereren Geldpolitik, wie in aktuellen Analysen von Canaccord Genuity hervorgehoben wird. Tom Lee, Leiter der Marktforschung bei Fundstrat Global Advisors, teilt diese Ansicht und bezeichnet die erwartete dovish Haltung der Fed als "grünes Licht" für die Performance von Small Caps. Trotz des vorherrschenden Optimismus äußert ein Teil der Marktteilnehmer Bedenken hinsichtlich des Zeitpunkts und der Notwendigkeit einer Zinssenkung. Kritiker wie der Marktveteran Ed Yardeni argumentieren, dass ein solcher Schritt inmitten des anhaltenden Wirtschaftswachstums und des Fehlens einer Finanzkrise verfrüht sei. Yardeni warnt, dass eine geldpolitische Lockerung unbeabsichtigt inflationäre Tendenzen verschärfen und spekulative Exzesse an den Aktienmärkten anheizen könnte, und verweist auf die früheren signifikanten Zinssenkungen der Federal Reserve trotz fehlender offensichtlicher Anzeichen einer Kreditklemme oder Rezession. Die Marktreaktion auf die erwartete Zinssenkung bleibt Gegenstand von Debatten, mit unterschiedlichen Perspektiven auf ihre kurzfristigen Auswirkungen. Während sich die zugrunde liegende Erzählung hin zu einem dovisheren Ausblick verschoben hat, was Small Caps potenziell Gewinne beschert, prognostizieren einige Analysten ein "Sell the News"-Ereignis. Diese Stimmung wird von der JPMorgan-Handelsabteilung geteilt, die aufgrund der Abwägung mehrerer makroökonomischer Faktoren, einschließlich der sich entwickelnden Fed-Politik, reduzierter Aktienrückkäufe durch Unternehmen und saisonaler Portfolioanpassungen, einen möglichen Rückzug der Anleger erwartet. Der iShares Russell 2000 ETF (IWM) hat bereits ein erhöhtes Anlegerinteresse gezeigt, was auf ein breiteres Interesse an diesem Marktsegment hindeutet.
← Zurück zu den News
2025-09-18 10:14
Lesezeit: 5 Min
Analyse
+2
US-Zinssenkung erwartet: Small Caps vor starkem Aufschwung
Autor
Deutschland
Schreibt klare Erklärtexte, die komplexe Themen in praktische Erkenntnisse übersetzen.
Kernpunkt
Die Kennzahl, die den Ton setzt.
Marktblick
Wo sich Kapital und Stimmung bewegen.
Weiterlesen
Zum nächsten Artikel.