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2025-08-10 08:18 Lesezeit: 7 Min

China wird fast Deutschlands größter Handelspartner: US-Zölle und globaler Handelswandel

Das empfindliche Gleichgewicht des Welthandels erlebt eine bedeutende Neujustierung, was sich daran zeigt, dass China in der ersten Hälfte des Jahres 2025 kurz davor stand, Deutschlands wichtigster Handelspartner zu werden. Diese Entwicklung, bei der China nur knapp hinter den Vereinigten Staaten liegt, signalisiert eine breitere Verschiebung des wirtschaftlichen Einflusses, die hauptsächlich durch sich entwickelnde Zolltarife und wettbewerbsorientierte Marktdynamiken beeinflusst wird, die unter der aktuellen US-Regierung initiiert wurden. Die Auswirkungen dieser Neuausrichtung gehen über bilaterale Handelszahlen hinaus und deuten auf eine fragmentiertere globale Wirtschaftslandschaft hin.

  • China stand im ersten Halbjahr 2025 kurz davor, Deutschlands Top-Handelspartner zu werden.
  • Die USA behielten ihre Führungsposition, ihr Vorsprung vor China schrumpfte jedoch auf ein Minimum.
  • Die USA hatten China bereits im ersten Quartal 2024 überholt und damit eine achtjährige Führung der asiatischen Wirtschaftsmacht beendet.
  • Deutsche Exporte in die USA fielen um 3,9 % aufgrund neuer US-Zölle.
  • Deutsche Importe aus China stiegen um 10,7 % auf über 80 Milliarden Euro.
  • Deutschlands Handelsdefizit erreichte mit 40 Milliarden Euro ein Rekordniveau.

Vorläufige Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Vereinigten Staaten zwar ihre Position als Deutschlands wichtigster Handelspartner behielten, ihr Vorsprung vor China im ersten Halbjahr 2025 jedoch auf ein Minimum geschrumpft ist. Dies geschah, nachdem die USA China bereits im ersten Quartal 2024 verdrängt hatten und damit eine achtjährige Dominanz der asiatischen Wirtschaftsmacht beendeten. Die jüngste Verschiebung unterstreicht Chinas entschlossene Rückkehr als formidable Kraft auf dem europäischen Markt.

Treiber der Handelsverschiebung

Der Hauptkatalysator für Chinas Vormarsch war ein bemerkenswerter Rückgang der deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten um 3,9 %. Dieser Rückgang wird der Einführung neuer US-Zölle unter der Trump-Regierung zugeschrieben, die sich auf die transatlantischen Handelsströme auswirken. Gleichzeitig stiegen die deutschen Importe aus China im ersten Halbjahr 2025 im Jahresvergleich um 10,7 % und überschritten die Schwelle von 80 Milliarden Euro. Ökonomen legen nahe, dass dieser Anstieg Chinas strategische Handelsumlenkung nach Europa widerspiegelt, wobei das Land aus günstigeren Preisbedingungen Kapital schlägt, teilweise aufgrund einer erheblichen Unterbewertung des Yuan gegenüber dem Euro.

Umgekehrt waren die deutschen Exporte nach China mit Gegenwind konfrontiert und fielen um 14,2 % auf 41,4 Milliarden Euro. Deutsche Exporteure sahen sich in ihren eigenen Märkten einem verstärkten Wettbewerb durch chinesische Hersteller ausgesetzt, was das Handelsungleichgewicht verschärfte. Diese Kombination aus sinkenden Exporten nach China und steigenden Importen hat zu einem Rekordhandelsdefizit für Deutschland von 40 Milliarden Euro geführt, ein Niveau, das an die Zahlen von 2022 erinnert. Analysten wie Jürgen Matthes, Leiter des Bereichs Internationale Wirtschaftspolitik am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), gehen davon aus, dass die Verluste bei den deutschen Exporten in die USA wahrscheinlich anhalten und sich verstärken werden, wobei die Commerzbank für die nächsten zwei Jahre aufgrund der US-Zölle einen Rückgang der deutschen Exporte um 20 % bis 25 % prognostiziert. Diese Prognose könnte China weiter den Weg ebnen, um den Spitzenplatz unter Deutschlands Handelspartnern zu sichern.

Globale Handelsneuausrichtungen und Warnungen

Das gegenwärtige globale Handelsumfeld wird maßgeblich von den weitreichenden Reformen und Zöllen der Trump-Regierung beeinflusst. Diese Politik hat die transatlantischen Handelsbeziehungen erheblich belastet und Nationen dazu gezwungen, komplexe diplomatische Wege zu beschreiten, um ihre Wirtschaftsinteressen zu wahren. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat eindringliche Warnungen zum Zustand des Welthandels herausgegeben und prognostiziert für dieses Jahr einen Rückgang des globalen Warenhandels um 0,2 %, wobei Nordamerika mit einem erheblichen Exportrückgang von 12,6 % rechnen muss. Die Generaldirektorin der WTO, Ngozi Okonjo-Iweala, hob die schwerwiegenden negativen Folgen anhaltender Unsicherheit hervor, insbesondere für anfällige Volkswirtschaften. Diesem Gefühl schlossen sich die Brookings-FT Tracking Indexes for the Global Economic Recovery an, die eine herausfordernde Zukunft für "jede offene Wirtschaft, die vom Handel abhängt," prognostizieren und erhebliche Belastungen erwarten. Diese breitere Neuausrichtung unterstreicht einen Paradigmenwechsel im internationalen Handel, wobei sich Nationen zunehmend an eine multipolare Wirtschaftsordnung anpassen.

Lena Hoffmann
Autor
Deutschland

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