Die US-Wirtschaft zeigte im zweiten Quartal 2025 einen bemerkenswerten Aufschwung, wobei das Bruttoinlandsprodukt nach einer anfänglichen Kontraktion robust expandierte. Dies deutet auf ein komplexes Zusammenspiel aus Verbraucherwiderstandsfähigkeit, sich entwickelnden Handelsdynamiken und anhaltender geschäftlicher Vorsicht hin. Während die Wachstumszahlen auf den ersten Blick eine gewisse Stärke suggerieren, zeichnen die zugrunde liegenden Indikatoren, insbesondere bei den privaten Investitionen und dem Arbeitsmarkt, ein nuancierteres Bild, das die bevorstehenden geldpolitischen Entscheidungen der Federal Reserve erheblich beeinflussen könnte.
- Starkes BIP-Wachstum von 3,3% im zweiten Quartal 2025 nach vorheriger Schrumpfung um 0,5%.
- Die Umkehr der Handelsmuster, insbesondere sinkende Importe, trug signifikant zum Q2-Wachstum bei.
- Private Investitionen gingen scharf um 13,8% zurück, während die Konsumausgaben moderat wuchsen.
- Der Arbeitsmarkt kühlt sich merklich ab, mit einem verlangsamten Stellenzuwachs und einem „no hire, no fire“-Szenario.
- Das gesamte Wirtschaftswachstum verlangsamte sich im ersten Halbjahr auf eine annualisierte Rate von 1,3%.
- Eine potenzielle Zinssenkung durch die Federal Reserve auf der Sitzung im September wird in Betracht gezogen.
Wirtschaftsleistung und Handelsdynamik
Nach einer 0,5%igen Schrumpfung im ersten Quartal 2025 – dem ersten wirtschaftlichen Rückgang der USA seit drei Jahren – expandierte das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) von April bis Juni signifikant mit einer annualisierten Rate von 3,3%. Diese Beschleunigung resultierte größtenteils aus einer Umkehr der Handelsmuster. Der frühere Rückgang im Q1 wurde hauptsächlich auf einen Anstieg der Importe zurückgeführt, da Unternehmen vor der Einführung von Zöllen durch Präsident Donald Trump Vorkäufe tätigten. Im zweiten Quartal kehrte sich dieser Trend deutlich um, wobei die Importe mit einer Rate von 29,8% fielen und über fünf Prozentpunkte zum Wachstum von April bis Juni beitrugen.
Die Konsumausgaben, die etwa 70% des nationalen BIP ausmachen, zeigten ein moderates Wachstum und stiegen im zweiten Quartal um 1,6% im Jahresvergleich, gegenüber 0,5% in den drei vorangegangenen Monaten. Die privaten Investitionen zeigten jedoch einen gegenteiligen Trend und sanken im selben Zeitraum mit einer annualisierten Rate von 13,8%. Dies stellt den stärksten Rückgang seit dem zweiten Quartal 2020, dem Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie, dar, wobei allein eine erhebliche Reduzierung der privaten Lagerbestände fast 3,3 Prozentpunkte vom BIP-Wachstum des zweiten Quartals abzog. Darüber hinaus verzeichneten die Ausgaben und Investitionen der Bundesregierung im zweiten Quartal einen Rückgang von 4,7% im Jahresvergleich, nach einem Rückgang von 4,6% im ersten Quartal.
Arbeitsmarkttrends
Vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Wirtschaftssignale wird der US-Arbeitsmarkt genau beobachtet. Während Arbeitgeber ihre bestehende Belegschaft weitgehend beizubehalten scheinen, deuten Anzeichen auf eine spürbare Abkühlung der Einstellungstätigkeit hin. Jüngste Daten des Arbeitsministeriums zeigen einen leichten Rückgang der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung, die in der Woche bis zum 23. August um 5.000 auf 229.000 fielen. Diese Zahl liegt weiterhin im historisch gesunden Bereich von 200.000 bis 250.000, der seit der Erholung nach COVID-19 beobachtet wurde. Dennoch hat sich der Stellenzuwachs deutlich verlangsamt und betrug in den drei Monaten bis Juli durchschnittlich nur noch 35.000 pro Monat – eine signifikante Reduzierung im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Szenario wird von Ökonomen zunehmend als „no hire, no fire“-Wirtschaft bezeichnet, in der Unternehmen zögern, zu expandieren, aber auch zurückhaltend sind, angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen von Zollpolitiken, Massenentlassungen einzuleiten.
Geldpolitische Implikationen
Der kumulierte Effekt dieser Trends – verlangsamte private Investitionen, sinkende Staatsausgaben und ein sich abschwächender Arbeitsmarkt – hat dazu geführt, dass sich das gesamte Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr auf eine annualisierte Rate von 1,3% verlangsamt hat, ein deutlicher Rückgang gegenüber 2,5% im Jahr 2024. Diese anhaltende Schwäche in mehreren Wirtschaftssäulen ist ein entscheidender Faktor für die geldpolitische Perspektive der Federal Reserve. Der Vorsitzende der Federal Reserve, Jerome Powell, signalisierte kürzlich die Möglichkeit einer Leitzinssenkung auf der bevorstehenden Sitzung am 16. und 17. September. Dieser Schritt könnte die Kreditkosten in der gesamten Wirtschaft potenziell senken, um die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln. Die Implikationen dieser wirtschaftlichen Veränderungen und die Reaktion der Fed werden von Investoren und Unternehmen, die sich in einer dynamischen Finanzlandschaft bewegen, genau beobachtet werden.

Markus ist unser Finanzprofi mit einem siebten Sinn für Zinsänderungen und Wirtschaftstrends. Wenn er nicht gerade durch Bilanzen stöbert oder die neuesten Börsennachrichten kommentiert, sucht er verzweifelt nach dem perfekten Cappuccino – vorzugsweise unter 2 Euro. Sein Motto: „Kaffee rein, Aktien rauf.“